Was tun wenn dein Kunde nicht zahlt Teil 3 - ein Interview mit Andreas Horneff

Du sitzt wieder einmal in deinem Büro und brütest über einen Kunden, der seine Rechnung nicht bezahlt hat, obwohl du ihm schon zwei Mahnungen geschickt hast. Wie soll es mit dieser Rechnung jetzt weitergehen? Wie kommst du am einfachsten an dein Geld? Was hättest du vorher besser machen können? Naja, ehrlicherweise musst du zugeben, dass du dich mit diesem Thema bis jetzt nicht wirklich intensiv beschäftigt hast. Gut nun wird es Zeit dies zu ändern. Dies ist der dritte Teil von dem Interview mit Andreas Horneff.

Andreas Horneff ist Volljurist und blickt auf eine lange Zeit im Forderungsmanagement zurück. Er hat im Forderungsmanagement sowohl als zugelassener Rechtsanwalt, als auch in verschiedenen Positionen in Inkassofirmen gearbeitet. Aus diesem Grund habe ich ihn als Experten zu diesem speziellen Thema zum Interview eingeladen.

Andreas Horneff

Unser Austausch war intensiver als ursprünglich geplant und deswegen habe ich mich entschieden das Interview zu teilen. Im ersten Teil ging es um die Fragen wann und wie sich Inkasso überhaupt lohnt, mit was für Kosten du als Unternehmer rechnen musst und was du machen kannst du um diese für dich zu reduzieren.

Im zweiten Teil diskutierten wir die Frage ob man das Nachfassen besser selber machen sollte oder doch dem Profi überlässt. Zudem schauten wir welche Alternativen es gibt um beim Rechnungskauf die eigene Position zu stärken.

Hier im dritten Teil diskutieren wir ob man lieber ein Inkasso-Dienstleister oder doch gleich einen Anwalt einschalten sollte. Zudem gibt uns Andreas noch einen kurzen Einblick in die verschiedenen Eskalationsstufen.

Lars Funke:

Andreas, du kennst ja beide Seiten - also sowohl die vom Inkasso-Dienstleister als auch die anwaltliche Sicht: Sollte man besser einen Anwalt oder eine Inkassofirma beauftragen?

Andreas Horneff:

Wenn man sich für die Zusammenarbeit mit einem Partner entscheidet, ist es wichtig, dass man sich wohlfühlt. Das gilt in der Liebe, (wobei ich da vielleicht nicht das Wort „Zusammenarbeit“ benutzen würde) wie auch im Forderungsmanagement.

Das Wohlfühlen bei der Auswahl des richtigen Partners würde ich so definieren wollen, dass man es dem Partner zutraut, dass er die Außenstände in einem großen Maße zurückführen kann. Und das seriös und empathisch, um die Reputation des beauftragenden Unternehmens nicht zu beschädigen.

Im Idealfall sollte der säumige Kunde nach dem Kontakt mit dem Dienstleister ein Kunde des Unternehmens bleiben und beim nächsten Mal ein pünktlich zahlender Kunde werden.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der säumige Kunde mit jeder Eskalationsstufe im Beitreibungsprozess einen besonderen Impuls verspürt, die Rechnung zu begleichen. Oft werde ich von Kunden gefragt, warum die Schuldner sofort bezahlen, nachdem die Forderung an einen Dienstleister abgegeben wurde. Das hat meiner Meinung nach genau mit den Eskalationsstufen zu tun.

Da wurden von Unternehmen schon viele Mahnungen geschickt und nichts ist passiert. Aber mit der Abgabe an einen neuen Akteur in dem Prozess des Forderungsmanagements passiert etwas im Kopf des Schuldners. Wenn er den ersten Brief des Dienstleisters liest, merkt er, dass es jetzt ernst wird. Zumindest ernster als

bisher. Er überdenkt dabei, mindestens unterbewusst, ob es jetzt nicht besser ist zu zahlen.

Und dieses „Überdenken“ des eigenen Zahlungsverhaltens geschieht bei jeder Eskalationsstufe. Daher ist es gut, möglichst viele Eskalationsstufen in seinem Prozess zu haben, mit denen auch messbar Zahleingänge generiert werden.

Daher würde ich persönlich auch nur in absoluten Ausnahmefällen direkt nach dem kaufmännischen Mahnprozess mit einem Anwalt auf meinen Kunden losgehen.

Denn: Wie lautet die mögliche Eskalationsstufe nach dem Einsatz eines Anwalts??? Richtig, das gerichtliche Mahnverfahren. Und das kostet Geld.

Wenn man nach den kaufmännischen Mahnungen zu einer Inkassofirma eskaliert hat, behält man den Anwalt als weitere Eskalationsmöglichkeit noch in der Hinterhand. Auch das spricht gegen die sofortige Beauftragung einer Anwaltskanzlei.

Natürlich gibt es auch notorische, vorsätzliche Nichtzahler, bei denen kein noch so ausgefeilter Prozess mit vielen Eskalationsstufen eine Zahlung erreicht.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass mit Schuldnern oft nur durch das miteinander Sprechen eine Lösung erzielt werden kann. Daher fragen Sie die möglichen Dienstleister wie oft sie mit den Schuldnern sprechen. Sind da Standards im Prozess eingebaut? Wer telefoniert beim zukünftigen Dienstleister mit den Schuldnern? Geschultes eigenes Personal? Call-Center? Die Sekretärin des Chefs? Sind die Telefonate garantiert und in den Prozess eingebaut?

Klassische Anwaltskanzleien sind oft nicht auf Schuldnertelefonate ausgelegt. Das bekommt man aber durch Hinterfragen nach den Prozessen schnell heraus. Ein: „Wir schreiben den Schuldner dann halt an.“ würde mir da an Kommunikation bei meinem Dienstleister nicht ausreichen.

Wenn es um eine größere Anzahl von Forderungen geht, sind auch Fragen nach einem individuellen Reporting und der Möglichkeit belegscharf buchen zu können interessant. Da ist die „normale“ Kanzlei mit der entsprechenden Kanzleisoftware oft überfordert, solche Anforderungen erfüllen zu können.

Das „Wohlfühlen“ alleine würde ich bei der Auswahl natürlich nicht zu dem einzigen Kriterium machen. Selbstverständlich schaut man auch auf die Kosten.

Hier ist festzustellen, dass die allermeisten Anwaltskanzleien unabhängig vom Erfolg der Beitreibung der offenen Forderungen „normal“ nach RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) abrechnen.

Schaut man sich verschiedene Inkassofirmen an, so wird man feststellen, dass es dort auch Firmen gibt, bei denen im Nichterfolgsfall dem Gläubiger keine Gebühren berechnet werden.

Auch das wäre für mich ein weiteres Argument, die Eskalationsstufen mit dem Einsatz einer Inkassofirma zu beginnen und erst nachdem dort nichts erreicht werden konnte, zu einem Anwalt zu eskalieren. Denn warum soll ich bei fehlendem Erfolg einem Anwalt für seine Tätigkeit Geld geben, wenn ich diese Leistung auch ohne dieses finanzielle Risiko von einem anderen Partner bekommen kann?

Aber es gibt auch Fälle, die ich gleich an einen Anwalt geben würde. Dazu zählen all die Fälle, bei denen es sich schon nach Vertragsschluss oder im kaufmännischen Mahnprozess herausstellt, dass die Sache streitig ist. Diese offensichtlich streitigen Fälle dürfen bislang ohnehin nicht von Inkassofirmen in die Bearbeitung genommen werden.

Mit „streitig“ meine ich wirklich streitige Fälle; also nicht die Fälle, bei denen der Schuldner einfach nicht zahlen will.

Wenn rechtliche Fragen zu klären sind, würde eine Inkassofirma ohnehin selbst sehr schnell an ihre Grenzen stoßen und die Fälle dann auch von Anwälten bearbeiten lassen. Daher kann man bei streitigen Verfahren gleich mit einem Anwalt loslegen, da die angesprochenen Eskalationsstufen in solchen Fällen zu vernachlässigen sind. Mit diesem Vorgehen gewinne ich dadurch eher Zeit. Und Zeit ist bekanntlich ja Geld.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch mitteilen, dass am 01.10.2021 mit dem VVInkG (Gesetz zur Verbesserung des Verbraucherschutzes im Inkassorecht) hier eine Veränderung eintritt und es Inkassofirmen erlaubt wird, auch streitige Fälle zu bearbeiten. Wie sich diese neue Möglichkeit zukünftig entwickelt und wie gut die Inkassofirmen bei der Bearbeitung solcher streitigen Fälle sein werden, bleibt abzuwarten und zu beobachten.

Steckbrieffragen an Andreas

PayPal oder Klarna?

 

Keines von Beiden

Online -shoppen oder Schaufensterbummel?

 

Beides!

Hund oder Katze?

 

Ganz klar Hund!

WhatsApp oder Telefonieren?

 

 

 

Beides! Kurze Info, wenn möglich, immer per WhatsApp. Bei nötiger Rückmeldung, Diskussion oder Absprachen lieber Telefon.

Karte oder Bargeld?

 

 

Überall wo es geht mit Karte, beim Rest halt Bargeld.

 

 

Lars Funke:

Wie mache ich das, wenn ich alle möglichen Eskalationsstufen nutzen will, aber trotzdem mit meinem jetzigen Anwalt zusammenarbeiten möchte?

Andreas Horneff:

Um alle möglichen Eskalationsstufen nutzen zu können, muss man einen passenden Inkassopartner auswählen, mit dem man den außergerichtlichen Inkassoprozess durchführen möchte. Wenn diese Auswahl getroffen ist, muss man einfach entsprechend vertraglich vereinbaren, dass der Wunschanwalt nach dem Inkassoprozess beauftragt werden kann. Ein kundenzugewandtes Unternehmen wird immer auf die Wünsche des Kunden eingehen und eine Lösung finden. 

 

Dies war der dritte Teil unseres Interviews. Wenn du mehr Informationen zu dem Thema möchtest oder dich einfach mal mit einem Experten dazu unterhalten möchtest, dann kannst du Andreas per E-MailLinkedin oder Xing - oder auch mich - gerne direkt kontaktieren. 

 

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